Schlaflos in Seattle

Schlaflos in Seattle ist nicht nur ein bezaubernder Film, tatsächlich war ich die erste Nacht in Seattle wirklich schlaflos. Aber dazu später…

Wir reisten von Vancouver B.C. wieder südwärts nach Seattle, um hier die letzten drei Tage unseres Westcoast-Roadtrips zu verbringen. Wie bereits erwähnt, hatten wir vorab von Deutschland aus, das erste und das letzte Hotel unseres Trips gebucht, den Rest haben wir spontan entschieden. Das gebuchte Hotel in Seattle war laut Hotelbeschreibung eher für Konferenzen gedacht, daher war auch ein klassisches, kontinentales Frühstück inklusive.

“All things share the same breath – the beast, the tree, the man. The air shares its spirit with all the life it supports.”

Chief Seattle

Anreise & Unterkunft

Unsere Anreise nach Seattle war also recht kurz und unspektakulär. Schnell waren wir beim gebuchten Hotel angekommen, das eingebettet in einer ziemlich großen Parkanlage vorzufinden war. Etwas überrascht von diesem „Kellerman´s-Flair“ à la Dirty Dancing, checkten wir erstmal ein. Die Zimmer waren in kleinen Holzbungalows untergebracht und auf den ersten Blick war alles ganz okay. Erst nach ein paar Minuten im Zimmer wurden wir das Gefühl nicht los, dass die Klimaanlage offensichtlich auf Kühlschrank-Betrieb eingestellt war. Leider konnte man selbst die Temperatur nicht anpassen und auch das Hotelpersonal konnte uns hier nicht helfen, da die Klimaanlage für die gesamte Hotelanlage eingestellt wurde und nicht einzeln verändert werden konnte. Somit gab es eine schlaflose erste Nacht für uns im Kühlschrank-Zimmer mit einer anstrengenden Suche nach einem neuen Hotel für die letzten zwei Nächte in den USA.

Food

Obwohl unser erstes Hotel irgendwie zu wünschen übrig ließ, hatten wir trotzdem einen tollen Food-Nachmittag nach unserer Anreise in Seattle. Wir spazierten die ca. 2 Meilen zum veganen Mini-Supermarkt Vegan Haven, verschafften uns hier einen ersten Überblick und orientierten uns dann Richtung Wayward Vegan Café, wo wir uns kräftig stärkten für den Rückweg.

Auf dem Rückweg merkten wir schon, dass es evtl. etwas klüger gewesen wäre, für diese Strecke das Auto zu nehmen – wenn man schon eins zur Hand hat. Parken klappt nämlich in dieser Gegend von Seattle recht gut und günstig.

Zurück im – zu diesem Zeitpunkt noch ersten – Hotel entschieden wir uns recht schnell für eine abendliche Fahrt zum Kerry Park, bei dem es die typische Aussicht auf die Skyline von Seattle inklusive Space Needle und bei gutem Wetter auch auf den Mount Rainier im Hintergrund gibt.

Downtown Seattle

Der zweite Tag startete erstmal mit unserem rasanten Umzug vom ersten Hotel in eine neues, das in First Hill lag, und somit fußläufig zu Downtown Seattle. Das war zwar mit ganz ordentlichen Parkgebühren in der Tiefgarage des Hotels verbunden, aber aufgrund der Lage konnten wir das Auto nun endgültig stehen lassen – es hatte seine Aufgabe nach über 3.000 km bestens erfüllt und hatte nur noch die letzte Fahrt mit uns zum Flughafen vor sich.

Von Starbucks kann man ja halten, was man will. Aber wenn du schon in Seattle bist, solltest du den Gründern von Starbucks huldigen und dir hier einige Besonderheiten angucken, die du teilweise in anderen Städten oder auch in Deutschland nicht sehen wirst.

Beginnend mit Starbucks Reverse – große Starbucks Läden mit Merchandise Shop, in dem du wirklich viele, viele schöne Tassen und To-Go-Becher, aber auch Klamotten und andere Accessoires bekommst. Nebenbei gibt es hier besonderen Kaffee, Limited Editons, zum Mitnehmen und zu Hause aufbrühen oder auch zum Vorort-Genuß. Der Blick auf die Rösterei und auf Bartresen, an denen Kaffee ganz ursprünglich aufgebrüht wird, werden dich irgendwie ein bisschen wie in Disneyland fühlen lassen. Die Amis sind eben Entertainer!

Pike Place

Um das Starbucks Sightseeing zu vervollständigen, solltest du unbedingt zum Pike Place Market, wo der allererste Starbucks seine Pforten für dich öffnet. Wundere dich nicht, das Logo sah damals noch ganz anders aus – und warum ist das so? Die ursprünglichen Gründer von Starbucks, drei Studenten aus Seattle hatten eigentlich nur im Sinn, guten Kaffee in die Wohnungen der Kunden zu bringen.

Damals wurden im Laden auch nur Kaffeebohnen verkauft und nicht aufgebrüht. Dieses Flair kannst du tatsächlich noch im ersten Starbucks erleben. Inzwischen gibt’s da natürlich auch Coffee-to-go, denn der Laden ist viel zu klein für Sitzplätze. Wenn du schon mal dort bist, ist das auch die perfekte Gelegenheit, einen To-Go-Becher mit dem alten Logo zu kaufen…

Ansonsten gibt es eine Menge zu sehen am Pike Place. Selbstverständlich einen großen Fischmarkt, aber auch die günstigsten Blumen der Stadt, das alles neben vielen Andenken für Touristen und Essen aller

Art. Mit veganem Essen sah es hier etwas mau aus. Wir hatten uns an unserem dritten Tag morgens zum Frühstück einen Kaffee geholt und verzweifelt nach einem Frühstück gesucht. Letztlich gab es Biscuits bei Honest Biscuits – kein veganer Laden, aber ein veganes Angebot.

Beste Aussicht

Die beste Aussicht auf Seattle bekommst du beim Sky View Observatory im Columbia Center. Der Spaß ist nicht wirklich günstig, aber du bist auf jeden Fall höher als die Space Needle, die btw auch ziemlich gesalzene Preise bietet. Außerdem war bei unserem Besuch die Space Needle leider in einer Renovierungsphase, so dass teilweise keine oder nur eingeschränkte Besuchsmöglichkeiten bestanden.

Food

Unbedingt sollte dein Hunger dich in das Plum Bistro treiben. Hier erwartet dich veganes Comfort Food, leckere saisonale Gerichte und Sandwiches. Das super Highlight für mich war dort allerdings, dass das Wasser mit einer Gurken- und Orangenscheibe serviert wird. Warum das so toll ist? Offensichtlich warst du noch nie in den USA. In den Restaurants erhältst du – bis auf sehr, sehr wenige Ausnahmen vielleicht – immer ein Glas Wasser. Es handelt sich dabei um Leitungswasser. Dieses ist aber in den USA ziemlich stark mit Chlor versetzt und so schmeckt es auch. Ich kann es schlicht und einfach nicht trinken, der Geschmack ist mir viel zu dominant. Das angenehme im Plum Bistro war, dass durch die Zugabe der Gurke und Orange, bekam das Wasser einen ganz neuen Geschmack und ich hab wirklich das erste Mal mein Wasser ausgetrunken. In den meisten anderen Fällen bestelle ich mein obligatorisches Wasser oft schon ab – soll ja nichts verschwendet werden, nur weil ich es nicht trinke…

Space Needle

Kein Besuch in Seattle ohne sich die Space Needle mal von Nahem anzugucken. Obwohl sie zu den touristischen Highlights der Stadt gehört, ist es hier, verglichen mit anderen Großstädten, ziemlich ruhig und angenehm. Wir konnten uns also in Ruhe umsehen. In direkter Nachbarschaft zur Space Needle gibt es einige Souvenirläden, Essensstände mit leider keinem veganen Angebot, das Museum of Pop Culture und die Monorail! Da wir den Weg zur Space Needle zu Fuß zurückgelegt hatten, haben wir für die Rückfahrt die Monorail genommen. Eine schnelle, irgendwie merkwürdige Fahrt durch einen Teil der Innenstadt für 2,50 Dollar/Person.

Food

Die beste vegane Pizza hatten wir mit Abstand in Seattle. Nicht allzu weit von unserem Hotel entfernt war das Sizzle Pie – hier gibt’s Bier (wie an fast jeder Ecke im Nordwesten der USA). Wir hatten von allen 3 veganen Pizzen je 2 Slices und dazu 2 Radler (witzig: die denken dort, das ist Radler und es wurde auch von einer deutschen Brauerei angeboten, war aber eher eine Mischung aus Orangenlimo mit ganz, ganz wenig Bier und hat daher eher wie so ein isotonischer Fitnessdrink geschmeckt). Vielleicht hätten wir normales Bier wählen sollen – aber die Pizza, die ist jeden weiteren Besuch dort wert!

Sweets

Zum Glück gibt es neben dem Plum Café noch ein Laden für Desserts – das Sugar Plum. Wie der Name schon verrät, die gehören zusammen. Leider war das Sugar Plum gar nicht auf Gäste ausgelegt, als wir vorbei schneiten – dennoch: es gab einen wunderbaren Brownie und Soft Serve Ice-Cream – alles leider in zu viel Plastik. Inzwischen habe ich aber auf deren Instagram Account gesehen, dass der Laden nun ganz normal geöffnet ist und Kuchen auch auf Tellern serviert. Der Besuch lohnt sich, auch wegen der Gegend. Die 15th Ave East hat einige schöne Läden zum Stöbern zu bieten mit so allerlei netten Geschenkideen und Krimskrams. Der Weg führt zum Volunteer Park, wo auch das Grab von Bruce Lee im angrenzenden Friedhof zu finden ist. Durch den schönen großen Park ist das ein toller Spaziergang.

Black Sun

Für Fotografen ein weiteres Highlight für eine tolle Aussicht auf die Space Needle: das Kunstwerk Black Sun am Noguchi Museum im Volunteer Park.

Food & Drinks

Wer es gern deftig und dazu einen kräftigen Cocktail trinken möchte, ist in der Highline Bar absolut richtig! Das ist keine weichgespülte Bar – sondern eine richtig dunkle Kneipe, in der richtig harte Kerle die Drinks servieren! So richtig sauber ist es auch nicht – aber der Alkohol tötet hier so manche Bakterien und das Essen ist ausgezeichnet! Hier bekommst du auf jeden Fall deine fettige Grundlage für eine Nacht voller Drinks.

Central Waterfront

An unserem letzten Abend haben wir noch einen Spaziergang zum Pier gemacht. Hier ist abends gut was los, es warten auch einige Touristenattraktionen. Nebenbei wird hier zu dieser Zeit noch einmal klar, dass auch Seattle, wie alle anderen (Groß-)Städte der USA ein großes Problem mit Homeless People haben, welche an den Piers ihre nächtlichen Lager einnehmen.

Trotz des Riesenrads ist das kein zweites Santa Monica Pier auf dem es ja zugeht wie auf einem Volksfest. In Seattle ist alles etwas ruhiger. Hauptsächlich treffen sich hier die Menschen zum Essen, leider auch hier nichts veganes, sondern eher Fischrestaurants.

Nach dem „harten“ Weg bergauf zurück in unser Hotel, konnten wir am nächsten Morgen in der Gewissheit Seattle verlassen, einen Eindruck mitzunehmen, der fernab der Hollywoodstreifen und Serien ist.

Nice to know:

Location

  • Seattle ist ganz anders als erwartet NICHT die Super-Regenregion!
  • Den Namen hat die Stadt von Häuptling Seattle
  • Eine Stadt mit einer recht hohen Lebensqualität und nicht so stark vom Tourismus geprägt!
  • Die öffentlichen Verkehrsmittel beschränken sich hier auf den Bus
  • Und gleich vorweg: hier steht kein Grey Sloan Memorial Hospital (die Dreharbeiten zu Grey´s Anatomy finden hauptsächlich in Kalifornien statt) und es gibt auch keine prägnanten Drehorte aus 50 Shades of Grey (die meisten Außenszenen wurden in Vancouver gedreht). Seattle ist somit nicht die Stadt für Drehorte- und Promi-Jäger.

Öffentliche Verkehrsmittel

  • Hm, ich weiß gar nicht, wie ich es sagen soll, aber: vergiß den öffentlichen Nahverkehr in Seattle! Es gibt zwar Busse – ehrlich gesagt: keine Ahnung, wo die fahren. Eine Tram gibt es in genau einem Viertel (South Lake Union) und es gibt eine Bahn, die dich vom Flughafen in das Zentrum bringt. Nicht zu vergessen natürlich die Monorail, die genau 2 Stationen hat. Wir sind ja die totalen „Fußgänger“, daher sind wir alles gelaufen.
  • Für andere Fußgänger: zieht euch warm an in Seattle, hier gibt es die steilsten Straßen. Immer wenn du denkst, du bist oben angekommen, geht es gleich noch weiter bergauf – San Francisco war ein Witz gegen Seattle! Irgendwas stimmt da jedenfalls nicht mit der Übermittlung von wichtigen Daten an Touristen…

Lebensmittel

  • Obwohl wir in Seattle meist auswärts gegessen haben, konnten wir sehr gut Kleinigkeiten im Supermarkt kaufen.
  • Nicht zu vergessen, der bereits genannte vegane Supermarkt Vegan Haven.

Airport

  • Wer vor dem Abflug noch was zu essen braucht: der Flughafen von Seattle ist wirklich extrem schlecht aufgestellt in Sachen veganer Ernährung. Um ewige Sucherei mit vielen Enttäuschungen zu vermeiden, solltest du gleich das Café Floret ansteuern. Ansonsten gibt es natürlich – wie immer in den USA – einen Starbucks mit Milchalternativen an jeder Ecke.

Fazit

Seattle ist die unterschätzte Perle der klassischen USA City Trips. Es gibt einiges zu sehen, viel veganes Essen zu probieren und nebenbei kannst du auch noch die Seele etwas baumeln lassen. Hier lässt es sich wunderbar drei bis vier Tage verbringen oder auch länger, wenn du das Umland mit erkunden möchtest. Ähnlich wie Oregon gibt es auch in Washington viele Berge, Wälder und Seen, die zum Wandern und Durchatmen einladen.

Streetphotography by Peeraphotography

Buchempfehlungen*

(*Affiliate Links)

Print Friendly, PDF & Email
2018-09-25T10:50:08+00:00September 25th, 2018|Categories: Travel|Tags: , , , , , , , , |

Leave A Comment

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.