Interview: Umstellung auf vegane Ernährung

Ab morgen bin ich vegan! Das ist leicht gesagt, aber den meisten Menschen graut es vor der Umsetzung oder sie haben einfach Bedenken, dass sie auf bisherigen „Genuss“ oder Vorlieben verzichten müssen.

Ich persönlich kenne nur eine Person, die von heute auf morgen umgestiegen ist und den Zwischenschritt, den die meisten gehen, nämlich erstmal Vegetarier zu werden, einfach ausgelassen hat – mein Mann Peeraphon.

Es erfüllt mich nicht nur mit einer Riesenportion Stolz, dass mein Mann diesen Schritt gewagt hat, sondern es macht mich auch sehr glücklich, welche Beweggründe ihn dazu gebracht haben – denn diese bestätigen mir, dass er ein Mensch mit einem guten Herzen ist.

Ich habe ein kurzes Interview mit ihm geführt, welches sogar für mich einige überraschende Antworten zu Tage gebracht hat. Aber lies selbst nach und „get inspired!“

Wenn ich mir irgendwo nicht sicher bin, ob es wirklich ein veganes Produkt ist, verzichte ich lieber…

1. Wie kam es dazu, dass du dich für vegane Ernährung entschieden hast?

Meine Frau ernährt sich schon etwas länger vegan. Sie hat mich mit ins Kino genommen zu der Dokumentation „Hope for all„.

Dort wurden Produktionsbedingungen von tierischen Produkten gezeigt, die ich einfach nicht mehr mit mir selbst vereinbaren konnte und dies auch nicht mehr unterstützen möchte.

Mir war zwar schon vorher bewusst, dass Massentierhaltung keine schöne Sache ist, aber wenn man das Ganze sieht, dann schockiert das schon erstmal und man fühlt sich verantwortlich.

2. Was hat dich daran besonders beeindruckt?

Besonders die Tierhaltung und die Mästung der Tiere war für mich ein harter Brocken. Z.B. Geflügel wird so extrem hochgemästet, dass es unter erbärmlichen Umständen in den Mastbetrieben vor sich hinvegetiert – hier kommt es auch oft zu gegenseitiger Aggression, die einfach nur grausam ist.

Die Dokumentation „Hope for all“ kannst du übrigens hier* bestellen!

3. Gab es Hürden, die du am Anfang nehmen musstest? Was ist dir besonders schwer gefallen?

Ich habe nichts als Hürde empfunden. Wenn man so wie ich, nach dem Film „Hope for all“, überzeugt ist, dass man bisher den falschen Weg gegangen ist, kann man für sich selbst eine Entscheidung treffen, die man dann auch sofort umsetzen kann.

Anfangs gab es gelegentlich das Gewohnheitsdenken: ich möchte Fleisch oder Käse – aber die Erinnerung an den Film hat mich sofort von einem Kauf abgehalten. Nach und nach verschwindet auch die Lust auf den Geschmack solcher Produkte.

4. Wie würdest du deine Ernährung vor der Umstellung beschreiben?

Viel Fastfood, wenig Gemüse. Also eher solche Dinge wie Döner, Pizza, Burger – zu Hause schnell mal Chicken Nuggets und Pommes in den Ofen. Heiß und fettig sollte es sein und zu meiner damaligen Definition: Hauptsache, es hat geschmeckt!

5. Konntest du irgendwelche Auswirkungen durch die Umstellung feststellen?

Manchmal muss man sich von seinem Umfeld dumme Sprüche anhören, die zwar humorvoll rübergebracht wurden, aber es gab auch oft klares Unverständnis. Sowas hab ich schon früher ignoriert und bleibe bei sowas gelassen.

6. Wenn du unterwegs bist und was essen möchtest, was hast du früher gegessen und was isst du heute?

Statt schnell einen Cheeseburger im Fast-Food-Restaurant zu holen, kauf ich jetzt eher ne Brezel beim Bäcker. Wenn ich mir irgendwo nicht sicher bin, ob es wirklich ein veganes Produkt ist, verzichte ich lieber und kaufe mir woanders was oder warte eben ab, bis ich zu Hause bin und esse was Selbstgekochtes.

7. Hast du manchmal  noch Lust auf Fleisch oder andere tierische Produkte? Wenn ja, in welchen Situationen?

Nach ca. 5 Monaten ist das Verlangen natürlich weniger, manchmal steigen mir aber gewisse Gerüche in die Nase, die altbekannt sind. Wobei das nicht so sehr das Fleisch ist, sondern eher z.B. überbackene Gerichte wie Nudelauflauf – für richtig schön geschmolzenen Käse habe ich noch keine  gute Alternative gefunden.

8. Hast du schon ein neues, veganes Lieblingsessen?

Ich liebe Falafel, habe ich schon vor der Umstellung und ich freue mich sehr, dass die vegan sind. Außerdem liebe ich frisch gebackenes Brot zu Hause von meiner Frau.

9. Konntest du Veränderungen an deiner Gesundheit feststellen seit der Ernährungsumstellung?

Ich habe ziemlich viel abgenommen, dadurch fühle ich mich wohler. Morgens komm ich besser in Schwung, fühle mich zwar immer noch müde, aber ich bin nicht mehr so träge, wie früher.

Ansonsten ist es eher, ich würde sagen, eine „mentale“ Gesundheit. Ich weiß für mich, dass ich diese schrecklichen Bedingungen und Behandlung von Tieren nicht mehr unterstütze.

10. Was möchtest du anderen Menschen mit auf den Weg geben, die noch zögern mit der Umstellung auf vegane Ernährung?

„Go Vegan!“ – Vegane Ernährung ist so vielseitig und ja, es gibt auch dicke Veganer, es gibt also genug „fettiges, geiles“ Zeug zu essen, wenn man vegan lebt.

Der Vorteil aber ist ganz klar: man muss sich wirklich  mit seiner Ernährung auseinandersetzen. Wenn ich beispielsweise im Supermarkt bin und nicht ganz sicher, ob ein Produkt vegan ist, google ich schnell und erfahre so einiges über das Produkt und kaufe dies dann oft nicht. Früher hätte ich gar nicht geguckt und es einfach gekauft.

Ich denke jeder kann seinen Beitrag leisten, dass Produktionsbedingungen verbessert werden und der Umwelt- und Klimaschutz gefördert wird. Nicht jeder muss sofort vegan oder Aktivist werden! Aber allein der Verzicht auf die billige Salami oder den täglichen Konsum von tierischen Produkten, bringen schon etwas voran.

www.peeraphotography.de
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2017-09-07T22:24:26+00:00 November 4th, 2016|Categories: Lifestyle|Tags: , , , |

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